13.06.2016 09:21
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
"Maisanbau kann Hochwassergefahr erhöhen"
Der Maisanbau könne die Hochwassergefahr erhöhen, kritisierte die deutsche Umweltministerin. Sie gibt der „intensiven Landwirtschaft“ eine Mitverantwortung für die verheerenden Folgen. Bauernverbände entgegnen, dass die Ministerin von der eigener Erfolglosigkeit bei der Senkung des Flächenverbrauchs ablenken wolle.

Anlässlich der extremen Niederschläge der vergangenen Wochen und den Überflutungen in Teilen Deutschlands haben die Diskussionen um die Rolle der Landwirtschaft im Klimawandel neue Nahrung bekommen.

Risikofaktor Mais

Umweltministerin Barbara Hendricks gab der „intensiven Landwirtschaft“ eine Mitverantwortung für die teilweise verheerenden Folgen der Starkregenereignisse. Insbesondere der Maisanbau sei bei Dauerregen im Frühsommer ein zusätzlicher Risikofaktor für Überflutungen, sagte die SPD-Politikerin am vergangenen Mittwoch in einer Aktuellen Stunde des Bundestages.

Die Umweltministerin Hendricks bezog sich auf das vom Unwetter besonders heimgesuchte Niederbayern, das sie als „Zentrum des Maisanbaus“ im Freistaat bezeichnete. Der Maisanbau umfasse stellenweise mehr als ein Drittel des gesamten Ackerlandes in der Region. Gleichzeitig zähle das niederbayerische Rottal zu den vier Regionen in Deutschland, die am stärksten unter Erosion litten.

Renaturieren

Vor allem in hügeligen Mittelgebirgslagen könne der intensive Maisanbau die Hochwassergefahr erhöhen, wie zuletzt auch Experten in den bayerischen Behörden bestätigt hätten. Ähnlich hatte sich die Ministerin bereits Anfang der Woche im ZDF-Morgenmagazin geäussert. Die Praxis, „Wiesen umzubrechen und stattdessen Mais anzubauen“, beschleunige und intensiviere die Folgen von Starkregenereignissen, warnte Hendricks. Ähnliche Stimmen kamen von Umweltverbänden.

Die SPD-Politikerin sprach sich dafür aus, in gefährdeten Gebieten eine „vorsorgende Raum- und Flächennutzung“ zu etablieren. Gerade in diesen Regionen dürften nicht immer weitere Flächen versiegelt werden. Verstärkt müssten Flüsse und Bäche renaturiert und - wo es möglich sei -, die Versiegelung der Landschaft rückgängig gemacht werden.

Ablenkungsmanöver

Der Deutsche Bauernverband (DBV) reagierte mit scharfer Kritik. „Ideologisch verbrämte und falsche Schuldzuweisungen helfen nicht, am allerwenigsten den Hochwasseropfern“, betonte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken in einer Presseverlautbarung. Krüsken warf der Bundesumweltministerin ein Ablenkungsmanöver vor, „um die eigene Erfolglosigkeit bei der Senkung des Flächenverbrauchs zu kaschieren“.

Man müsse sich fragen, so der DBV-Generalsekretär, „wann die Ministerin endlich wirksame Schritte gegen die ungebremste Versiegelung der Böden und den fortschreitenden Flächenverlust unternimmt“. Landwirtschaftliche Böden, ob Ackerland oder Grünland, seien durchlässig und aufnahmefähig für Niederschläge, „anders als die versiegelten Städte und Infrastrukturen“, erläuterte Krüsken.

Seinen Angaben zufolge ist bei unwetterartigem, extremem Starkregen eine Versickerung der Wassermengen so schnell nicht möglich. Dagegen habe die Landwirtschaft nach den Erfahrungen mit den Überschwemmungen der vergangenen Jahre sinnvolle Hochwasserschutzmassnahmen wie die Hochwasserpolder an Flüssen unterstützt.

Viel für den Erosionsschutz getan

Auch der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) wehrte sich gegen Schuldzuweisungen an die Adresse der Landwirtschaft. In seiner Reaktion auf einen WDR-Fernsehbeitrag machte der Verband darauf aufmerksam, dass in den von Überschwemmungen betroffenen rheinischen Gebieten der Maisanbau keine grosse Bedeutung habe. Insgesamt hätten die Böden die starken Niederschläge gut aufnehmen können.

Laut RLV-Angaben liegt das in erster Linie daran, dass die Landwirte in den vergangen Jahren viel für den Erosionsschutz getan haben, etwa durch Verzicht auf den Pflug oder den Anbau von Zwischenfrüchten. Vielerorts bemühten sich die Landwirte auch beim Maisanbau bereits, bodenschonend vorzugehen. Der Verband verwies auf den Anbau von Untersaaten und die pfluglosen Bodenbearbeitung.

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