15.06.2014 06:53
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Bienen
Bienen mitunter wichtiger als Dünger
Das Fehlen von Bienen und anderen wildlebenden Insekten als Bestäuber von Nutzpflanzen kann den Ernteertrag in der Landwirtschaft stärker mindern als ein Ausbleiben der Düngung oder eine stark reduzierte Bewässerung.

Das Fehlen von Bienen und anderen wildlebenden Insekten als Bestäuber von Nutzpflanzen kann den Ernteertrag in der Landwirtschaft stärker mindern als ein Ausbleiben der Düngung oder eine stark reduzierte Bewässerung. Findet dagegen Bestäubung in ausreichendem Maß statt, tragen die Pflanzen mehr Früchte, und deren Nährstoffgehalte verändern sich. Diese Ergebnisse hat die Freiburger Ökologin Prof. Alexandra-Maria Klein von der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie der Albert-Ludwigs-Universität gemeinsam mit Kollegen aus den USA in einem Experiment an Mandelbäumen in Kalifornien ermittelt; das Forscherteam hat dazu Artikel in den Fachzeitschriften „Plant Biology“ und „PLoS ONE“ veröffentlicht.

Von Hand bestäubt

Wie die Hochschule weiter mitteilte, manipulierte Klein zusammen mit Studenten und Kollegen der University of California Mandelbäume, indem sie Bienen mit Hilfe von Käfigen vom Blütenbesuch ausschlossen oder die Bestäubung durch Bienen zuließen oder die Blüten mit der Hand bestäubten.

Zudem hätten die Forscher Bäume nach lokalen Praktiken bewässert und gedüngt oder ihnen nur wenig Wasser oder keinen Dünger gegeben. An einigen Mandelbäumen seien die verschiedenen Manipulationen kombiniert vorgenommen worden, um die Effekte auf den Ertrag und die Zusammensetzung der Nährstoffe in den Nüssen getrennt und in Kombination zu untersuchen. Mandelbäume, die mit der Hand bestäubt worden seien, hätten die meisten Nüsse hervorgebracht; allerdings seien diese sehr klein gewesen. Dagegen habe ein Baum, der nicht bestäubt worden sei, kaum Nüsse getragen, aber sehr große. Der Ertrag durch Bienenbestäubung habe im Vergleich zur Selbstbestäubung um etwa 200 % gesteigert werden können, berichtete die Freiburger Universität.

Nährstoffzusammensetzungen differieren

Die Hochschule wies darauf hin, dass Düngung und Bewässerung nur in Kombination mit den Bestäubungsmanipulationen einen Effekt auf den Ertrag gehabt hätten. Allerdings verlören die unzureichend bewässerten Bäume mehr Blätter, und ohne Dünger seien die Blätter vermehrt gelb geworden. Die Wissenschaftler seien somit zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Mandelbaum kurzfristig Nährstoff- und Wasserentzug ausgleiche, indem er Nährstoff- und Wasserreserven aus dem Baum in die Früchte hole. Defizite in der Bestäubung könne der Baum allerdings nicht ausgleichen. Daneben hätten die Forscher aufgezeigt, dass die Nährstoffzusammensetzungen sich je nach Bestäubungsmanipulation unterschieden: Nüsse aus Selbstbestäubung enthielten einen geringen Anteil an Linolsäuren, aber einen höheren Anteil an Vitamin E.

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