8.03.2015 16:17
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Lebensmittel
Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel weiter gesunken
Die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel bleiben auf Talfahrt. Das bestätigen Berechnungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

Der vergangene Woche aktualisierte FAO-Preisindex lag im Februar 2015 bei durchschnittlich 179,4 Punkten; das waren 1 % weniger als im Januar und 14 % weniger als ein Jahr davor. Laut FAO sank der Index damit auf das niedrigste Niveau seit Juli 2010. Die Experten in Rom führen diese Entwicklung einerseits auf eine robuste Angebotssituation und andererseits auf den zuletzt starken US-Dollar zurück. Zucker verbilligte sich besonders deutlich; der betreffende Index sank im Monatsvergleich um 4,9 % auf 207,1 Punkte.

Dies wurde zurückgeführt auf weiter günstige Ernteaussichten für brasilianisches Zuckerrohr sowie die Ankündigung Indiens, die Ausfuhr von Zucker zu subventionieren. Auch der Getreidepreisindex verringerte sich noch einmal deutlich, nämlich um 3,2 % auf 171,7 Punkte, was die FAO mit der hervorragenden globalen Weizenproduktion begründete.

Pulver zieht Milch nach oben

Der Fleischpreisindex lag im Februar bei durchschnittlich 187,4 Punkten; das waren 1,4 Punkte weniger als im Januar. Die FAO macht dafür insbesondere die Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem brasilianischen Real und dem australischen Dollar verantwortlich. Die Schweinefleischpreise kletterten zum ersten Mal in acht Monaten; die Entscheidung der EU, eine Beihilfe zur privaten Lagerhaltung zu gewähren, dürfte diese Entwicklung nach Einschätzung der UN-Organisation unterstützen. Der Milchpreisindex stieg im Monatsvergleich um 4,6 Punkte auf 181,8 Punkte und erholte sich damit zum ersten Mal seit einem Jahr. Der FAO zufolge lag dies vor allem an Milchpulver und spiegelt das Nachlassen der Produktion in Europa, Australien und Neuseeland wider.

Der FAO-Speiseölindex erhöhte sich geringfügig, nämlich um 0,4 % auf 156,6 Punkte. Das sei maßgeblich auf eine Verteuerung von Palmöl zurückzuführen, denn Sojaöl habe sich angesichts hervorragender Ernteaussichten in Südamerika weiter verbilligt, stellten die UN-Agrarfachleute fest.

Kein Hunger wegen Biokraftstoffen

Der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) nahm die Zahlen der FAO zum Anlass, um eine Verknüpfung der Biokraftstoffproduktion mit den Preisen für Nahrungsmittelpreisen zurückzuweisen. Aus der FAO-Statistik gehe hervor, dass weltweit die Lebensmittelpreise seit 2011 um 22 % gesunken seien. Im gleichen Zeitraum sei aber die Produktion von Biokraftstoffen um 29 % gestiegen, erklärte OVID-Präsident Wilhelm F.  Thywissen. Dennoch machten Nichtregierungsorganisationen noch immer Biokraftstoffe für den Hunger in der Welt verantwortlich. „Das ist ein Ammenmärchen, das sich gut verkauft und die Spendenbereitschaft vieler Mitbürger erhöhen soll“, so Thywissen. Biodiesel bestehe größtenteils aus Raps. Der sei zu 60 % eine Futterpflanze und damit mitverantwortlich für den Sonntagsbraten der Deutschen.

Ein viel größeres Problem bei der Hungerbekämpfung sei die Lebensmittelverschwendung. Laut eines aktuellen Berichts der Organisation Waste and Resource Action Programme (WRAP) entfielen hierauf etwa ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion, stellte der OVID-Präsident fest. Die Kosten beliefen sich pro Jahr auf etwa 400 Mrd $ (357 Mrd Euro). Während in westlichen Gesellschaften Lebensmittel oft im Müll landeten, verdürben Nahrungsmittel in Entwicklungsländern häufig bereits in Lagerhäusern oder auf dem Weg zum Konsumenten.

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