4.12.2017 10:34
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Milchpreise bald auf Sinkflug?
Die grösste deutsche Molkerei, die Deutsche Milchkontor (DMK), rechnet für 2018 mit sinkenden Preisen. Die Milchbauern müssten sich nach dem zwischenzeitlichen Anstieg der Preise wieder auf eine angespanntere Marktsituation einstellen, sagt der Chef der DMK.

Ende 2016 haben die Preise für Molkereimilch in Deutschland wieder zugelegt. Zuvor waren sie auf teilweise unter 20 Cent pro Kilo gefallen. Grund waren die Aufhebung der EU-Milchquote in Frühling 2015, das Russland-Embargo sowie die sinkende Nachfrage in Asien.

Bauern kündigten Verträge

2017 legtendie Preise weiter zu. Dies deshalb, weil zahlreiche Bauern die Produktion einstellten oder drosselten. Die Folge war ein Nachfrageüberhang an Milch. Für die Bauern führten die höheren Preise zwar für eine Entlastung, doch das Schaffen von Rücklagen war aber kaum möglich. Die Erholung der Produzentenpreise soll aber bald wieder zu Ende sein. Damit rechnet Ingo Müller, Chef der DMK. «Die Preise werden wieder nach unten gehen, das steht jetzt schon fest», sagte er gegenüber dem «Weser-Kurier».

Die DMK gehörte lange Zeit zu jenen Molkereien, die die tiefsten Preise ausbezahlte. Die Molkerei zahlte ihren Lieferanten teilweise nur noch einen Preis von 20 Cent. Der durchschnittliche Milchpreis beim DMK lag 2016 bei 25,2 Cent (27.5 Rp.) je Kilo. Viele Bauern haben deshalb die Lieferverträge mit der Genossenschaft nicht verlängert.

450 Millionen Liter verloren

«Für das Jahr 2018 gibt es einen Rohstoffverlust von fast 450 Millionen Liter Milch, das ist Fakt. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, die Standorte in Rimbeck, Bad Bibra und Bergen zu schliessen», sagt Müller gegenüber der Zeitung.

Mitte Mai 2017 sagte er gegenüber dem «Tagesspiegel», er glaube nicht, dass die Preise steigen würden. «Mehr als 32 Cent (34.8 Rp.) sind aktuell nicht drin», liess Müller verlauten. Die Bauern protestierten. Kurze Zeit später erzielte die Molkerei bei den Verhandlungen mit dem Detailhandel höhere Preise. Das Unternehmen erhöhte in der Folge mehrmals die Produzentenpreise.

Für Bauern gibt es fast keine Alternativen

«Wir haben in der Vergangenheit oft mit den niedrigsten Milchpreisen innerhalb der Branche ausgezahlt, das ist natürlich erst mal nicht vertrauensstiftend. Selbstkritisch müssen wir sagen, dass wir in der Vergangenheit die Gründe dafür nicht genügend kommuniziert und auch die ein oder andere Gegenmassnahme nicht schnell genug angegangen sind», führte er gegenüber dem «Weser-Kurier» aus.

Ob nun die Ankündigung, dass die Preise wieder sinken werden, vertrauensstiftend wirkt, darf bezweifelt werden. «Ich glaube aus vollem Herzen daran, dass das DMK das Potenzial hat, die Herausforderungen zu meistern und einen wettbewerbsfähigen Milchpreis anbieten kann, wenn wir uns am Markt richtig aufstellen. Das ist ein Prozess, der gerade erst angefangen hat», so Müller. Für die Bauern problematisch. Im Einzugsgebiet der DMK gibt es nicht viele Alternativen, da die Genossenschaften viele Mitbewerber aufgekauft hat.

Das DMK verarbeitet jährlich rund 7.2 Mrd. Kilo Milch.  Die Molkerei konnte aufgrund von Einmaleffekten 2016 den Umsatz von 4,6 auf 5,1 Milliarden Euro (5.55 Mrd. Fr.) steigern. Der Gewinn lag bei 13,5 Millionen Euro (14.7 Mio. Fr.). Noch rund 8'600 Bauern beliefern das Unternehmen mit Milch. Das Deutsche Milchkontor ist 2011 durch die Fusion der Nordmilch und der Humana Milchunion entstanden. Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den grössten genossenschaftlich organisierten Molkereien in Europa.

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