1.02.2018 18:25
Quelle: schweizerbauer.ch - dpa
Deutschland
Lidl: Haltungskompass für Fleisch
Viele Konsumenten interessieren sich beim Fleischkauf dafür, wie die Tiere gelebt haben - doch woran erkennt man das? Die deutsche Politik plant schon seit längerem ein Logo - nun prescht ein Handelsriese vor.

Inmitten der Debatte über ein staatliches Label für Fleisch in Deutschland aus besserer Tierhaltung startet der Discounter Lidl ein eigenes System. Ab April sollen alle Frischfleischprodukte der Eigenmarken - ob Schwein, Rind, Truten oder Poulet - mit einem leicht verständlichen "Haltungskompass" gekennzeichnet werden, wie der Billiganbieter am Donnerstag ankündigte. Umweltschützer begrüssten die Initiative, forderten von der künftigen deutschen Regierung aber weiter eine verpflichtende Kennzeichnung der Haltungsart von Tieren.

Vier Stufen

Das Lidl-System soll sich an der bekannten Kennzeichnung für Eier orientieren und hat vier Stufen. Stufe 1, "Stallhaltung", entspricht gesetzlichen Bestimmungen. Stufe 2, "Stallhaltung Plus", garantiert laut Lidl, dass Tiere mehr Platz und Beschäftigungsmaterial hatten. Stufe 3, "Auslauf", signalisiert, dass Tiere neben mehr Platz auch Zugang zu Aussenklimabereichen hatten und gentechnikfreies Futter erhielten. Stufe 4, "Bio", entspricht Bestimmungen für Biofleisch.

Lidl erwartet, dass die Konsumenten mit der Kennzeichnung stärker Produkte aus besserer Haltung kaufen und hofft, dass so langfristig das Tierwohlniveau der gesamten Branche steigt. Der Discounter will Anfang 2019 mit rund 50 Prozent seiner Produkte mindestens die Stufe 2 erreichen. Langfristig soll das komplette Frischfleischsortiment der Eigenmarken mindestens dieses Niveau haben.

Armutszeugnis für die Regierung

Der deutsche Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte Union und SPD auf, in einem neuen Koalitionsvertrag eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht festzuschreiben. Es sei "ein Armutszeugnis für die Bundesregierung", dass einzelne Handelsketten selbst diesen Schritt gehen müssten.

Union und SPD wollte eigentlich schon in ihrer bisherigen Regierung ein staatliches Tierwohllabel einführen. Dies wurde bis zur Wahl aber nicht mehr umgesetzt. Nun soll es in einer neuen Koalition eingeführt werden. Landwirte, die freiwillig teilnehmen, sollen etwa mehr Platz für Schweine im Stall bereitstellen. Bereits seit 2015 gibt es eine "Initiative Tierwohl" der Branche. Freiwillig teilnehmende Landwirte erhalten für Zusatzleistungen Geld aus einem Fonds, in den Supermarkt-Ketten einzahlen.

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