26.09.2013 13:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Lebensmittel
Gibt es bald ein Logo «Ohne Gentechnik»?
In der Schweiz gibt es bisher kein Logo «Ohne Gentechnik». Dies sei nicht nötig, meinen Cremo und Elsa. Dies sei nicht erlaubt, sagt Emmi. Das Bundesamt für Gesundheit ist da jedoch anderer Ansicht.

Emmi kündigte zu Beginn des Monats an, gewisse Emmi-Produkte in Deutschland in Zukunft mit dem Hinweis «Ohne Gentechnik» auszuloben. Der Milchverarbeiter verspricht sich dadurch Werbung und einen Mehrwert für seine Produkte. Doch wäre eine entsprechende Kennzeichnung nicht auch in der Schweiz denkbar? Anfragen bei den vier grössten Schweizer Milchverarbeitern sollen  Klarheit schaffen.

«Suisse Garantie» genügt

Bei Cremo und Elsa gibt es offenbar keine Bestrebungen, ein Logo «Ohne Gentechnik» in der Schweiz einzuführen. «Die gesamte Schweiz ist gentechnik-frei. Dies ist den Konsumenten bekannt. Es braucht dafür kein Logo», begründet die Sprecherin von Elsa, Francine Rabelo. Eine entsprechende Bewerbung der Elsa-Produkte in Deutschland sei ebenfalls keine Option. Die deutschen Kunden wüssten, dass Schweizer Produkte GVO-frei sind. Ein zusätzliches Logo würde lediglich mehr Komplexität schaffen.

Auch Cremo argumentiert in diesem Sinne. Da alle Cremo-Produkte das Herkunftszeichen Suisse Garantie trügen, sei garantiert, dass sie GVO-frei seien. Dies sei Teil der Suisse-Garantie-Bestimmungen, eine zusätzliche Auslobung sei nicht nötig. 

Der Milchverarbeiter Hochdorf verzichtet auf eine Kennzeichnung «ohne Gentechnik», da er den Grossteil seiner Produkte nicht direkt an den Konsumenten verkauft, sondern zur Weiterverarbeitung an andere Unternehmen liefert. In diesem «Business to Business»-Geschäft werde eine solche Auslobung nicht nachgefragt, begründet Sprecher Christoph Hug.

Kennzeichnung verboten?

Für Verwirrung sorgte die Antwort von Emmi. Laut Mediensprecherin Sibylle Umiker dürfen gentechnikfreie Lebensmittel in der Schweiz per Gesetz nicht ausgelobt werden. Dies aus dem Grund, weil in der Schweiz aufgrund des Gentechnikmoratoriums der Anbau von GVO-Pflanzen verboten ist und die GVO-Freiheit der Produkte somit eine Selbstverständlichkeit sei. In der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenstände-Verordnung sei dies entsprechend geregelt.

Nein, sagt das BAG

Auf Anfrage gibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Auskunft: «Die Verwendung des Hinweises ‹ohne Gentechnik hergestellt› ist seit 1999 gesetzlich geregelt.» Demnach dürften Lebensmittel sehr wohl als gentechnikfrei gekennzeichnet werden, sofern der Verzicht auf GVO-Erzeugnisse im gesamten Herstellungsprozess umfassend dokumentiert werde. Berücksichtigt würden dabei die Zutaten des Lebensmittels, die Verwendung von Verarbeitungshilfsstoffen und der Einsatz von Produktionsmitteln im Landwirtschaftsbereich wie zum Beispiel Futtermittel.

Milch darf gemäss dieser Regelung mit dem Hinweis «ohne Gentechnik hergestellt» versehen werden, sofern den Kühen weder Futtermittel aus GVO-Pflanzen noch Futtermittelzusatzstoffe aus GVO-Mikroorganismen verfüttert wurden, erklärt BAG-Mediensprecherin Eva van Beek. Gleiches gelte für Butter, Joghurt, Quark usw. Auch Käse dürfe so gekennzeichnet werden, wenn er ohne den Einsatz von Chymosin (Lab) aus GVO-Mikroorganismen hergestellt wurde. Dies ist gemäss Kenntnissen der Switzerland Cheese Marketing AG heute in der Schweiz der Fall. 

Über Logo wird diskutiert

Mit dem Logo «Ohne Gentechnik» erhofft sich Emmi gemäss eigenen Angaben bessere Marktchancen für ihre Produkte auf dem deutschen Markt. «Studien zeigen, dass die Auszeichnung von Produkten mit Lebensmittelzertifikaten immer mehr Bedeutung für den Konsumenten bekommen», so der Milchverarbeiter. Dies könne den Kaufentscheid positiv beeinflussen.

Offenbar macht sich im Moment das BAG Gedanken über eine Auslobung «gentechnik-frei» bei tierischen Produkten in der Schweiz, wie Elsa schreibt. Konkrete Vorschläge seien jedoch noch keine vorhanden.

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