8.02.2018 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Emmi
Emmi tut sich im Heimmarkt schwer
Der grösste Schweizer Milchverarbeiter steigerte im vergangenen Jahr den Umsatz um 3.2 Prozent auf 3.36 Milliarden Franken. Während die Divisionen «Americas» und «Europa» zum Wachstum beitrugen, musste Emmi im Heimmarkt einen Rückgang hinnehmen.

Vor allem dank dem starken zweiten Halbjahr gelang es Emmi, ein Wachstum zu realisieren. Insgesamt wurde ein Umsatzwachstum von 106 Millionen auf 3.36 Mrd. Franken erzielt. Organisch, das heisst währungs- und akquisitionsbereinigt, resultiert ein Zuwachs von 0.5 %. Noch im August prognostizierte Emmi für den Konzernumsatz -1% bis 0% statt bis 1 bis 2%. Die Prognose für die Gewinnentwicklung wurden bestätigt. Der EBIT sollte demnach bei 195 bis 205 Mio. Fr. und die Reingewinnmarge bei 4,0-4,5% zu liegen kommen.

Nischenmärkte helfen

Die schwache erste Jahreshälfte kompensierten die Luzernen unter anderem mit dem Käsegeschäft in den USA (Kuh- und Ziegenmilch), Emmi Caffè Latte (vor allem in der Schweiz, Grossbritannien und Spanien), Desserts von Rachelli, Biomilchprodukten der Gläsernen Molkerei sowie dem Markt Tunesien.

«Die Umsatzzuwächse im Käsegeschäft der Division Americas und die Fortschritte im Dessertgeschäft halfen, den Import- und Preisdruck in der Schweiz zu kontern. Die Investitionen in Nischenmärkte wie Bio- und Ziegenmilchprodukte sowie die Stärkung wichtiger Marken trugen Früchte. Die Akquisitionen der jüngeren Zeit werden die Umsatzentwicklung zusätzlich stärken», lässt sich Urs Riedener, Chef von Emmi, im Communiqué zitieren. Gesamthaft gesehen schreitet die Internationalisierung des Geschäfts voran. Der Umsatzanteil, den Emmi im Ausland erzielte, stieg im letzten Jahr von 47 auf 49 Prozent.

Schweiz: Importdruck beim Käse

Im Heimmarkt Schweiz musste Emmi erneut einen Umsatzrückgang hinnehmen. 2016 resultierte ein Minus von 2.9 Prozent oder 52 Millionen auf 1.741 Milliarden Franken. Auch 2017 setzte sich die Umsatzerosion fort, wenn auch weniger stark. Der Milchverarbeiter erlitt ein Umsatzminus von 11 Millionen auf 1.73 Milliarden Franken. Dabei beliefen sich der Preiseffekt auf -0.7 % und der Mengeneffekt auf 0.1 %. Emmi hatte einen Umsatzrückgang von -2 % bis 0 % prognostiziert. Der Import- und Preisduck sei nach wie gross, schreibt das Unternehmen.

Im zweiten Halbjahr konnte Emmi dank einem erstarkten Schweizer Detailhandel Boden gut machen und einen Teil des Verlusts kompensieren. Bei den Molkereiprodukten (Milch, Rahm, Butter) resultierten insgesamt weitgehend stabile Umsätze. Beim Käse legte der Luzerner Rahmkäse zu, während die AOP-Käse rückläufig waren. Bei den Frischprodukten verzeichneten Emmi Caffè Latte, Jogurtpur und Energy Milk steigende Umsätze, während Yoqua und die Eigenmarken rückläufig waren. Der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz sank 2017 um 2 auf 51 Prozent.

Americas: Käse und Vitalait


Die zweitgrösste Division von Emmi ist Americas. Dazu gehören die USA, Kanada, Chile, Tunesien, Spanien (ohne Lácteos Caprinos) und Frankreich neu auch Mexiko. Der Umsatz legte hier deutlich (+9.7%) um 84 auf 950 Millionen Franken zu. Emmi führt das Wachstum auf Beteiligungserhöhungen bei SDA Chile und Mexideli sowie die Akquisitionen von Cowgirl Creamery und Jackson Mitchell («Meyenberg») zurück.

Zudem haben sich die Märkte in den USA und Tunesien sehr gut entwickelt. In den USA legte das Käsegeschäft deutlich zu, in Tunesien konnte die Marke Vitalait (Milch, Jogurt und Dessert) wachsen. In Chile hat sich gemäss Emmi das Geschäft stabilisiert. In Spanien konnte der Umsatz mit Emmi Caffè Latte gesteigert werden. Umsatzhemmend wirkte sich der Preiskampf auf Eigenmarken-Jogurts in Spanien und im Bereich Käse in Frankreich aus. Der Anteil der Divison Americas am Konzernumsatz erhöhte sich von 27 auf 28%.

Europa: Bioprodukte und Dessert

Ebenfalls auf Wachstumskurs ist die drittgrösste Division von Emmi, Europa. Der Umsatz erhöhte sich um 45 Millionen (+8.7%) auf 564 Millionen. Organisch, das heisst bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte, wurde ein Wachstum von 0.8 % erzielt. Dank einem guten zweiten Halbjahr konnte Emmi zulegen.

Entscheidende Faktoren in der positiven Trendwende waren das Umsatzwachstum bei der Gläsernen Molkerei (D) und bei AVH dairy (NL) (primär Ziegenmilchpulver) sowie das stabilisierte Dessertgeschäft. Gute Geschäfte machte Emmi mit Bioprodukten, Desserts, Caffè Latte, Frischkäse und Kaltbach-Käse. Der Bereich der AOP-Käse und die Onken-Jogurts blieben hingegen stark unter Druck. Der Anteil der Division am Konzernumsatz legte im 1 auf 17 Prozent zu.

Globale Trade: Rückläufige Entlastungsexporte

Die kleinste Division ist Global Trade. Diese beinhaltet primär Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in Ländern, in denen Emmi keine eigenen Gesellschaften hat. Dazu gehören die asiatischen und osteuropäischen Märkte, die meisten südamerikanischen Länder und die Arabische Halbinsel. Es resultierte ein Umsatzminus von 13 auf 120 Millionen Franken.

Begründet wird der Rückgang mit rückläufigen Entlastungsexporten von Butter und Milchpulver sowie tieferen Umsätzen mit milchfremden Produkten, die nicht zum Kerngeschäft von Emmi gehören. Weitere hemmende Faktoren waren die verhaltene Entwicklung der Milchverkäufe in China und tiefere Käseumsätze in Russland. Erfreut zeigt sich Emmi mit dem Frischegeschäft in Singapur, Brasilien und Hong Kong. Der Anteil der Division am Konzernumsatz beträgt weiterhin 4 Prozent.

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