2.11.2016 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Deutschland
D: Aldi erhöht Milchpreis massiv
Die deutschen Discounter Aldi Nord und Süd erhöhen die Preise für Milchprodukte um bis zu 43 Prozent. Das knappere Angebot hat die Preise ansteigen lassen. Die Bauern hätten aber noch lange an den Folgen zu kämpfen, betonen bäuerliche Organisationen.

In den vergangenen Monaten sind die Preise für Milchpreise in den Läden auf Tiefstwerte gesunken. Ein Liter Milch gab es teilweise für unter 50 Rappen zu kaufen. Eine Produktionsausweitung seit der Aufhebung der EU-Milchquoten im April 2015, das Russland-Embargo sowie eine weltweit schwächere Nachfrage nach Milch haben die Preise in den Keller sausen lassen.

Geringere Produktion


Zu spüren bekamen das die Milchbauern. Der Produzentenpreis pro Kilo Milch sank in Deutschland teilweise unter 20 Cent (22. Rp.). Damit die Bauern aber kostendeckend produzieren können, müsste der Preis das Doppelte betragen. In den vergangenen Wochen nun hat sich die Marktsituation verändert.

Der deutsche Milchindustrie-Verband nennt verschiedene Gründe, warum die Preise nun deutlich steigen. Die Milchmenge in Europa sei saisonal bedingt niedriger, und auch auf dem Weltmarkt sei das Aufkommen gesunken, betont der Verband. Hinzu sei der Aufkauf von Magermilchpulver durch die EU gekommen. Dem stünden stabile Absätze von Milchprodukten bei Konsumenten und Industrie gegenüber. Käse und Butter wurde bereits teurer.

Discounter haben Signalwirkung

Anfang November ist ein wichtiger Stichtag für Molkereien und Handelskonzerne, schreibt das «Handelsblatt».  Traditionell treten neue Halbjahresverträge für Milch und eine Reihe von Milchprodukten in den unteren Preislagen in Kraft.  Und die Detailhändler müssen nun den Molkereien für Milchprodukte tatsächlich mehr bezahlen.

Aldi Nord und Aldi Süd haben den Preis für fettarme Frischmilch um 18 Cent auf 60 Cent (65 Rp.)  je Liter angehoben.  Das ist eine Preiserhöhung um 43 Prozent. Vollmilch wird um 40 Prozent teurer und kostet neu 65 Cent je Liter (70 Rp.). Deutliche Preiserhöhungen wurde auch bei Magerquark (+24 Cent auf 79 Cent für 500 g) und beim Rahm (+15 Cent auf 45 Cent für 200g) vorgenommen.

Die Verhandlungen von Aldi Nord und Süd haben für den gesamten Detailhandel Signalwirkung. Ketten wie Edeka oder Rewe orientieren sich an den Preisen der Discounter. Es wird erwartet, dass weitere grosse Lebensmittelhändler die Preise ebenfalls erhöhen werden.

Frühestens im Dezember bei den Bauern


Für die Bauern dürfte sich die Situation nicht so rasch verbessern. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wiesen vergangene Woche darauf hin, dass die Preiserhöhungen zum 1. November frühestens im Dezember bei den Bauern ankämen. Viele Milchviehhalter haben sich verschuldet, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. «Es wird deshalb lange dauern, die Folgen der Krise zu bewältigen», warnte das BDM.

Die deutsche Regierung und die Bundesländer unterstützen die Bauern mit Finanzhilfen. Die Bundesregierung genehmigte am Mittwoch ein Hilfspaket in der Höhe von 581 Millionen Euro bis Ende 2017. Dieses Paket setzt sich aus Krediten, Bürgschaften, Zuschüssen und Steuerentlastungen zusammen. Zudem wurde von der EU eine Prämie für Mindereinlieferungen entrichtet. Dieses Programm war rasch ausgeschöpft.

Der deutsche Agrarminister Christian Schmidt stellte mit Genugtuung fest, dass die Programme zu tieferen Mengen und höheren Preisen geführt haben. «Die Marktstrukturen sind aber trotzdem so zu ändern, dass das Risiko künftig nicht mehr allein bei den Milchbauern liegt», mahnt Schmidt.

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