19.02.2015 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Fleischmarkt
Bell will sich gegen Busse wehren
Die Coop-Tochter Bell hat im vergangenen Jahr zwar weniger Fleisch und Wurstwaren verkaufen können. Trotzdem ist der Gewinn des Fleischverarbeiters um 14,5 Prozent auf 87,7 Mio. Fr. gestiegen. Ab Mitte Jahr besitzt Bell eine Mehrheitsbeteiligung an Hilcona. Mit allen Mitteln will sich Bell gegen eine Busse des deutschen Kartellamts wehren.

Dazu trug bei, dass Bell vermehrt Produkte mit höherer Wertschöpfung verkaufte und die Finanzierungskosten angesichts tiefer Zinsen deutlich gesunken sind, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz lag mit 2,6 Mrd. Fr. um 0,9 Prozent unter Vorjahr. Auch ohne Währungseffekte hätte ein Rückgang um 0,5 Prozent resultiert. Das Absatzvolumen schrumpfte gegenüber 2013 noch etwas stärker als der Umsatz, nämlich um 1,1 Prozent auf rund 215'600 Tonnen.

Weniger Absatz in der Schweiz

In der Schweiz liefen die Geschäfte besser, der Umsatz auf dem Heimmarkt stieg um 0,8 Prozent auf 1,86 Mrd. Franken. Das Absatzvolumen ist aber um 0,9 % auf 121‘063 Tonnen zurückgegangen. Bell führt dies unter anderem auf geringere Industriebelieferungen, auf den wetterbedingt schwachen Grillsommer sowie den erneut gestiegenen Grenzeinkaufstourismus zurück. "Dank der deutlichen Zunahme der Absätze bei den Sortimenten mit höherer Wertschöpfung hat Bell Schweiz wiederum ein gutes Wachstum erzielen können", hält das Unternehmen fest.

Umsatzeinbussen musste Bell im Ausland hinnehmen. Der Umsatz bei Bell Deutschland sank um 2,8% (währungsbereinigt 1,5%) auf 470 Mio Fr. Die Abnahme führt das Verarbeiter vor allem auf deutlich tiefere Rohmaterialpreise sowie auf den Sortimentsmix zurück. Trotz rückläufigem Markt habe das Absatzvolumen mit 62‘570 Tonnen auf Vorjahreshöhe gehalten werden können. Somit habe Bell Marktanteile gewonnen, heisst es weiter. 

Die Sparte Bell International (Frankreich, Benelux, Polen, Ungarn und Tschechien) schrumpfte gar um 8,1 Prozent auf 269 Mio. Franken. Bell verweist auf Währungseinflüsse und deutlich tiefere Rohmaterialpreise. Zudem wurde das zunehmend unrentable Filialgeschäft in der Slowakei aufgegeben.

Noch mehr Einkaufstourismus

Im laufenden Jahr erwartet Bell wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses zwar eine weitere Zunahme des Einkaufstourismus. Coop selber rechnet aus den Wechselkursen zudem mit Umrechnungseffekten, die direkten Auswirkungen seien aber vernachlässigbar.

In der zweiten Jahreshälfte geht das Unternehmen von steigenden Rohmaterialpreisen in der Schweiz und in Europa aus. Bell wird zudem Mehrheitsaktionärin von Hilcona. Die Coop-Tochter übt die Option für weitere 2 Prozent am Liechtensteiner Fertiggerichte-Hersteller aus und den Anteil so auf 51 Prozent erhöhen. Ab 1. Mai wird Hilcona mit einem Jahresumsatz von rund 500 Mio. Fr. vollkonsolidiert.

Keine Rückstellungen wegen Busse

Zu der vom deutschen Kartellamt im Juli 2014 ausgesprochenen Busse von rund 100 Mio. Euro wegen angeblich unerlaubten Preisabsprachen erklärte Bell im Jahresbericht, das Unternehmen erachte diese als sachlich und materiell unbegründet. Deshalb sei keine Rückstellung gebildet haben.

Coop will sich mit allen Mitteln gegen die Busse wehren. Die rechtlichen Schritte seien eingeleitet, Bell rechne mit einer mehrjährigen Verfahrensdauer, hiess es. In Absprache mit der Revisionsstelle wird das Bussgeld als Eventualverbindlichkeit im Anhang aufgeführt.

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